Was tun bei Gewalt Hilfe und Unterstützung für Jugendliche

Was ist Gewalt?

Gewalt ist jede Form von körperlichem oder seelischem Schaden, den eine Person einer anderen Person zufügt. Sie kann auf verschiedene Weise auftreten – körperlich, emotional oder verbal. Gewalt bedeutet also mehr als nur körperliche Gewalt, wie Schlagen oder Treten und umfasst beispielsweise auch Bedrohungen oder Beleidigungen. In der digitalen Welt kann Gewalt auch in Form von Cybermobbing oder Belästigung vorkommen. Wichtig zu wissen ist: Jede Form von Gewalt ist unrecht und niemand hat das Recht, dich schlecht zu behandeln – egal ob online oder offline. 

Gewalt – Zahlen und Fakten

Leider ist Gewalt kein Einzelfall und in Deutschland sind jährlich viele tausende Menschen von Gewalt betroffen. Das zeigte sich beispielsweise im Lagebild häusliche Gewalt 2023 vom Bundeskriminalamt. Hier wurde herausgefunden, dass im Jahr 2023, 256.276 Menschen in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt wurden. 78.341 Menschen wurden Opfer innerfamiliärer Gewalt zwischen nahen Angehörigen. Die meisten Opfer häuslicher Gewalt waren von Partnerschaftsgewalt betroffen, ein Drittel war von innerfamiliärer Gewalt betroffen. Im Bereich der innerfamiliären Gewalt waren unter 21-Jährige Opfer am häufigsten betroffen. Außerdem zeigte sich, dass besonders Frauen Opfer von Gewalt wurden: 79,2 Prozent der Opfer von Partnerschaftsgewalt und 70,5 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt waren weiblich (vgl. Häusliche Gewalt im Jahr 2023 um 6,5 Prozent gestiegen 2024: o. S.). Gewalt spielt allerdings nicht nur im häuslichen Umfeld eine Rolle, sondern beispielsweise auch in der Schule. So kam es 2023, zu 27.470 gemeldeten Gewaltdelikten an Schulen (vgl. Zahl der Gewalttaten an Schulen deutlich gestiegen 2024: o. S.). Und auch im Internet kommt es leider immer wieder zu Gewalt. So gaben 15% der Befragten in einer Studie von HateAid an, dass sie schon einmal von Hass im Netz betroffen waren. Sogar fast die Hälfte aller Befragten gab an, dass sie Hass im Netz beobachtet haben (vgl. Das NETTZ, Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, HateAid und Neue deutsche Medienmacher*innen als Teil des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz 2024: 42 ff.). Das macht deutlich, dass Gewalt kein Einzelfall ist! Falls du Gewalt erfahren hast, bist du damit nicht alleine! 

Was tun, wenn du Gewalt erlebst?

Wenn du Gewalt erlebst – egal ob online oder offline – kann es sein, dass du dich erst einmal hilflos fühlst und nicht weißt, wie du mit dem Erlebten umgehen sollst. Darum ist es wichtig, ein paar Möglichkeiten zu kennen, um das Erfahrene zu bearbeiten. Wichtig dabei ist: Gewalt ist individuell und es gibt nicht den einen richtigen Weg, mit Gewalt umzugehen. Tu das, was sich für dich richtig anfühlt.

1. Sprich mit jemandem

Wenn du Opfer von Gewalt geworden bist, kann es sehr viel helfen, über das Erlebte zu sprechen. Es ist wichtig, dass du nicht alleine mit der Situation bleibst. Vertrauenspersonen wie Eltern, Lehrer:innen oder Freund:innen können dir helfen, die Situation richtig einzuschätzen und Unterstützung zu bieten. Auch wir von dem Projekt online:socialworker, stehen dir mit Rat zur Seite, melde dich dafür einfach bei uns!

2. Beweise sichern

Wenn du Gewalt erfahren hast, sichere alle Beweise. Wenn du zum Beispiel online Gewalt erfahren hast, können Screenshots von Nachrichten, Bildern oder Videos später wichtig sein, wenn du den Vorfall melden möchtest. Wenn du offline Gewalt erfahren hast, kann es hilfreich sein, wenn du dir aufschreibst, was du erlebt hast. Das kann dir später bei der Aufklärung des Vorfalles helfen.

3. Hilfe bei Beratungsstellen suchen

In Deutschland gibt es viele Anlaufstellen, bei denen du dich melden kannst und die dich unterstützen können, wenn du Gewalt erfahren hast. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Nummer gegen Kummer (116 111): Eine kostenlose und anonyme Telefonberatung für Kinder und Jugendliche.
  • HateAid: Eine Organisation, die Opfern von digitaler Gewalt hilft und auch rechtlichen Beistand bietet.
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (08000 116 016): Kostenlose und anonyme Beratung für Mädchen und Frauen, die Gewalt erlebt haben.

Wenn du dich in einer akuten Notsituation befindest und selbst Gewalt erlebst, oder Zeug:in von einer schweren Gewalttat wirst, ruf die Polizei (110)!

4. Gewalt nicht dulden

Nimm Gewalt ernst, egal ob du Gewalt online oder offline erfährst. Melde den Vorfall bei Vertrauenspersonen, in der Schule, bei der Polizei, oder nutze die Meldefunktionen von Online-Plattformen, falls sich die erfahrene Gewalt online abgespielt haben sollte. Fast alle sozialen Netzwerke bieten die Möglichkeit, Hasskommentare, unangemessene Inhalte oder schädliche Nutzer:innen zu melden. Diese Meldungen werden oft geprüft und können dazu führen, dass Täter:innen blockiert oder gesperrt werden. Auf unserer Seite findest du auch einen extra Beitrag zum Thema Cybermobbing und Online-Belästigung, in dem wir nochmal konkreter auf diese Themen eingehen und dir Beratungsangebote auflisten.

Zusammen gegen Gewalt

Ob online oder offline: Niemand sollte Gewalt erleben müssen. Es ist wichtig, dass du dich und andere schützt, indem du wachsam bist und klare Grenzen setzt. Wenn wir uns gegenseitig unterstützen und für ein respektvolles Miteinander einstehen, können wir gemeinsam dazu beitragen, dass Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Denk immer daran: Es gibt Hilfe und du bist nicht allein!

Quellen: 

Das NETTZ, Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, HateAid und Neue deutsche Medienmacher*innen als Teil des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz (Hrsg.) (2024): Lauter Hass – leiser Rückzug. Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht. Ergebnisse einer repräsentativen Befragung. Berlin. 

Häusliche Gewalt im Jahr 2023 um 6,5 Prozent gestiegen (2024): Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, (online), https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/haeusliche-gewalt-im-jahr-2023-um-6-5-prozent-gestiegen-241062 (abgerufen am 17.10.2024). 

Zahl der Gewalttaten an Schulen deutlich gestiegen (2024): Zeit online, (online), https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2024-09/gewaltdelikte-schulen-anstieg-2023# (abgerufen am 17.10.2024)

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